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Vom Journalismus zum Alarmismus

Wissen Sie, was mir Angst macht? Das ist die Entwicklung der Medien. Nicht des Trash-TV und irgendwelcher zweitklassiger Internetseiten, nein. Es ist die Entwicklung der bisherigen Flagschiffe deutschen Journalismus wie Spiegel und Süddeutsche in ihren online Versionen.

Selbst diese ehemaligen Bastionen der guten Recherche verfallen zunehmend dem Alarmismus und pflegen platte Vorurteile.

Alarmismus. Ein schönes neues Wort. Es bedeutet, aus allem und jedem in Windeseile eine Krise zu gestalten. Beispiel? Bitte:

Sack Reis umgefallen! - Bedroht mangelnde Ladungssicherheit den wirtschaftlichen Aufschwung?

Oder die heutige Realsatire auf beiden Seiten: "Jeder Sechste in Deutschland gilt als Armutsgefährdet!" Untertitel: "Nach wie vor muss eine hohe Zahl von Bundesbürgern mit hohem Risiko leben, in die Armut abzurutschen. Ein besonders hohes Risiko tragen übrigens Frauen, Alleinerziehende und Singles.

Wissen Sie, zuerst frage ich mich an dieser Stelle, ob diese 3 Gruppen vielleicht nur eine sind: Weibliche Singles mit Kind. Mag es ja geben. Und dann frage ich mich, ob diese Frauen heute gefährdeter sind als, sagen wir 1754. Oder 1532.

Die bahnbrechende Erkenntnis des Redakteurs: Wer einen Job hat, hat ein deutlich geringeres Risiko (8,6%) als ein Arbeitsloser (69,3%)!

Ich bin g e p l ä t t e t !  Diese Erkenntnis tiefgründiger Recherche, tagelangen Studium von Statistiken und Untergrund-Interviews ist Pulitzer-Preis-verdächtig.

Liebe Redaktion, wenn ich auf einer Hallig im Wattenmeer wohne, ist mein Risiko, bei Sturmflut nasse Füße zu bekommen übrigens auch deutlich höher, als das von Heinz Kalupke in seiner Etagenwohnung in Hannover-Linden.

Dazu kommt aber noch die grandiose Definition von Armut. Arm ist demnach nämlich, wer weniger als 60% des mittleren Einkommens verdient. Egal, wo er in Deutschland lebt. Sie sind mit diesen 979 Euro (Single) in Wilhelmshaven und Greifswald genauso arm, wie in Stuttgart oder Frankfurt-Bogenhausen. Statistisch zumindest. Mit 980 Euro sind sie in Stuttgart Mittelstand.

Statistik ist toll! Ich liebe Statistik! Denn die Statistik kann auch machen, dass wir die Armut rapide reduzieren. 

Nehmen wir nur mal einen Moment an, die 100 Top-Verdiener Deutschlands würden das Land verlassen. Die Armut wäre fast besiegt, da können sie gar nicht so schnell Waren in die Regale räumen.

Bill Gates sollte übrigens besser nie nach Deutschland ziehen.

Ach ja, der Artikel war damit übrigens schon zu Ende. Aber das reicht heute schon, um als Top-Schlagzeile ganz oben zu landen.

Ich freue mich auf die Schlagzeile von morgen. Hier eine Idee: Gefahr von Unfällen aufgrund Nachtblindheit steigt bei Dunkelheit rapide an.

28.10.14 19:45
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Terminator (31.10.14 23:12)
1. Der SPIEGEL und insbesondere der Online-Ableger produzieren schon seit fast zwei Jahrzehnten auf BILD-Niveau, das ist nichts neues.

2.
> und wen meine Beiträge zu Politik, Religion und Zeitgeschichte
> und zur Natur des Menschen schon immer gestört haben,
Sie stören nicht, aber was bezweckst Du überhaupt damit? Glaubst Du Merkel, Gabriel & Co. interessieren sich für Deine oder meine Meinung? Aber schreib' ruhig weiter, wenn Du Dich dann besser fühlst ;-)

3. Wieso ausgerechnet myblog.de ? Es gibt etliche Blog-Seiten mit besseren Design und vor allem weniger Werbung...


Marc (1.11.14 18:27)
Das ist ja gerade das unsinnige an der Darstellung. Wenn diese 100 das Land verlassen sinkt der Durchschnittsverdienst rapide, also auch der 60% Wert, der die Schwelle zur Armut markiert. Damit gibt es viel weniger Menschen, die unterhalb der Grenze liegen. Ergo deutlich weniger Armut, obwohl keiner auch nur einen Cent mehr hat. Ich finde das toll und keiner unserer Qualitätsjournalisten kapiert es....
Würde Bill Gates nach Deutschland ziehen, hätten wir übrigens gleich ein paar arme Menschen mehr :-)


Marc (1.11.14 18:32)
@Terminator

Toll! Warum gibt es immer Menschen, die sofort alles schlecht reden müssen. Wenn dich das doch jetzt schon so nervt, dann ließ den Blog einfach nicht.

Ich mag Menschen, die immer alles besser wissen und besser können. Wo kann man sich kennenlernen ;-)


Terminator (7.11.14 19:20)
Lieber Marc,

man muß kein Internet-Gott sein, um zu wissen, daß es bessere Blog-Anbieter gibt.
Und na ja, was heißt schlecht reden? Es ist nunmal eine Tatsache, daß sich durch das Posten von Meinungen auf Facebook oder Blogs die Welt nicht ändert.
Außerdem hat der Autor dieses Blogs doch mit der Besserwisserei angefangen: Mit 'ner einfachen Banklehre will er uns Gott und die Welt erklären ;-)

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