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Warum wir nicht zulassen, dass Afrika sich bildet, oder: Der Kampf um den Wohlstand

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Wissen Sie, der Mensch ist ein sehr seltsames Wesen. Er ist fähig, alle Fakten und Indizien auszublenden, die nicht in sein Weltbild passen möchten. Als besonders aktuelles Beispiel möchte ich die sich erneut verschärfende Diskussion um Zuwanderer auswählen. Die Migranten.

Da sind Sie also. Ausländer. Und die wollen in unser Land. Unfassbar. Als Touristen gerade noch akzeptiert – allerdings nur von Menschen, die den Tourismus als eine Einnahmequelle haben – sind sie doch in allen anderen Fällen überwiegend unbeliebt. Zumindest spiegelt uns dies die öffentliche Meinung wieder.

Der gemeine Deutsche möchte sie nicht haben. Der Franzose auch nicht und der Engländer erst recht nicht. Wobei der Engländer mit Deutschen und der Deutsche mit Engländern durchaus noch klar käme. Aber diese Heerscharen von Menschen aus Gebieten östlich der Oder und südlich der Alpen, noch schlimmer südlich des Mittelmeeres, machen uns Angst.

Vor mittlerweile recht langer Zeit hieß es noch, „am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Und ich möchte wetten, dass viele meiner Landsleute auch heute noch so denken. Allerdings möchten diese nicht, dass der Ausländer zur Genesung zu uns kommt. Eher soll das deutsche Wesen zu ihm kommen.

Ich frage mich, wovor hat er hier Angst? Der Deutsche, der Engländer, der Franzose. Unsere Produkte sind in aller Welt beliebt und gefragt. Man neidet uns wegen unserer Gründlichkeit und Sorgfalt. Wegen solider Straßen und Versorgungseinrichtungen. Ich stelle hier einmal die Frage: Wer bezahlt das eigentlich alles? Na, der deutsche Steuerzahler werden sie sagen. Recht haben sie, antworte ich. Aber wissen sie, warum kann der deutsche Steuerzahler denn das alles bezahlen? Na. Was sagen Sie? Ja genau, weil unsere Wirtschaft stark ist, weil unsere Produkte so beliebt sind, weil wir Exportweltmeister sind. Daher verdient man in unserem Land recht gut. Ja, die meisten Deutschen verdienen übrigens ausreichend Gehalt. Und davon zahlen sie Steuern. Soviel, dass wir das alles bauen und Instand halten konnten. Nur, bezahlt hat es der Ausländer. In dem er unsere Waren kauft. Was kaufen wir aus seinen Ländern? Nehmen wir mal Afrika, um die Flüchtlingsproblematik aufzugreifen. Was kaufen Sie aus Afrika?

Kaffee. Jepp, unter anderem. Was noch? Mal überlegen. Elfenbein ist verboten, Diamanten auch eher selten. Also, direkte Produkte fallen uns nicht ein. Aber natürlich Rohstoffe. Klar. Die haben wir nämlich nicht. Die hat der Afrikaner. Und zwar noch zu Hauf. Er holt sie aus der Erde (mit Maschinen, die er teuer von uns kauft), er transportiert sie zu den Häfen (mit Maschinen, die er teuer von uns kauft) und dann werden sie zu uns gebracht und dort veredelt und verarbeitet.

Zu teuren Maschinen.

Der Afrikaner hat also das Pech, dass er die tollen Rohstoffe besitzt und wir dafür das Wissen und die Fähigkeiten, daraus tolle Dinge zu machen. Damit gelingt uns die größere Wertschöpfung und wir leisten uns solide Häuser, Straßenreinigung und Wasserspülung. Und fliegen nach Afrika, um mal Natur zu sehen.

Wenn jetzt der Afrikaner lernen würde, wie man alle diese tollen Dinge selber herstellt. Doof. Dann hat er die Rohstoffe und er hätte die Maschinen. Und was hätten wir? Einen Haufen Ideen, Wissen und Fähigkeiten. Aber leider keinen Grundstoff, um diese einzusetzen.

Wie schön, dass der Afrikaner sich dank westlicher Kolonisierungspolitik laufend die Köpfe einschlägt. Und wir schreiten auch schnell ein, wenn sich dort Grenzen tatsächlich mal so verschieben sollten, dass Nationen und Volksstämme wirklich repräsentiert werden. Das könnte ja glatt dazu führen, dass dort Frieden einzieht. Und wer sich nicht mehr bekämpft, bekommt womöglich Hunger nach Bildung.

Ich finde. Solange wir eine Mitschuld an den Zuständen haben, so lange ist es unsere Pflicht, unseren Wohlstand zu teilen. Mit denen, denen wir Ihn verdanken.


Übrigens. Ungefähr die Hälfte aller Afrikaner sind Christen. Angst vor Moscheen muss man nicht haben. Aber Angst vor Bauwerken finde ich eh seltsam.

3.11.14 18:30


Vom Journalismus zum Alarmismus

Wissen Sie, was mir Angst macht? Das ist die Entwicklung der Medien. Nicht des Trash-TV und irgendwelcher zweitklassiger Internetseiten, nein. Es ist die Entwicklung der bisherigen Flagschiffe deutschen Journalismus wie Spiegel und Süddeutsche in ihren online Versionen.

Selbst diese ehemaligen Bastionen der guten Recherche verfallen zunehmend dem Alarmismus und pflegen platte Vorurteile.

Alarmismus. Ein schönes neues Wort. Es bedeutet, aus allem und jedem in Windeseile eine Krise zu gestalten. Beispiel? Bitte:

Sack Reis umgefallen! - Bedroht mangelnde Ladungssicherheit den wirtschaftlichen Aufschwung?

Oder die heutige Realsatire auf beiden Seiten: "Jeder Sechste in Deutschland gilt als Armutsgefährdet!" Untertitel: "Nach wie vor muss eine hohe Zahl von Bundesbürgern mit hohem Risiko leben, in die Armut abzurutschen. Ein besonders hohes Risiko tragen übrigens Frauen, Alleinerziehende und Singles.

Wissen Sie, zuerst frage ich mich an dieser Stelle, ob diese 3 Gruppen vielleicht nur eine sind: Weibliche Singles mit Kind. Mag es ja geben. Und dann frage ich mich, ob diese Frauen heute gefährdeter sind als, sagen wir 1754. Oder 1532.

Die bahnbrechende Erkenntnis des Redakteurs: Wer einen Job hat, hat ein deutlich geringeres Risiko (8,6%) als ein Arbeitsloser (69,3%)!

Ich bin g e p l ä t t e t !  Diese Erkenntnis tiefgründiger Recherche, tagelangen Studium von Statistiken und Untergrund-Interviews ist Pulitzer-Preis-verdächtig.

Liebe Redaktion, wenn ich auf einer Hallig im Wattenmeer wohne, ist mein Risiko, bei Sturmflut nasse Füße zu bekommen übrigens auch deutlich höher, als das von Heinz Kalupke in seiner Etagenwohnung in Hannover-Linden.

Dazu kommt aber noch die grandiose Definition von Armut. Arm ist demnach nämlich, wer weniger als 60% des mittleren Einkommens verdient. Egal, wo er in Deutschland lebt. Sie sind mit diesen 979 Euro (Single) in Wilhelmshaven und Greifswald genauso arm, wie in Stuttgart oder Frankfurt-Bogenhausen. Statistisch zumindest. Mit 980 Euro sind sie in Stuttgart Mittelstand.

Statistik ist toll! Ich liebe Statistik! Denn die Statistik kann auch machen, dass wir die Armut rapide reduzieren. 

Nehmen wir nur mal einen Moment an, die 100 Top-Verdiener Deutschlands würden das Land verlassen. Die Armut wäre fast besiegt, da können sie gar nicht so schnell Waren in die Regale räumen.

Bill Gates sollte übrigens besser nie nach Deutschland ziehen.

Ach ja, der Artikel war damit übrigens schon zu Ende. Aber das reicht heute schon, um als Top-Schlagzeile ganz oben zu landen.

Ich freue mich auf die Schlagzeile von morgen. Hier eine Idee: Gefahr von Unfällen aufgrund Nachtblindheit steigt bei Dunkelheit rapide an.

28.10.14 19:45


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